Sonntag Jubilate, 03.05.2020 Pfrin. Monika Vöcking

 

Johanesevangelium, Kapitel 15, Verse 1-15

„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“

 

Letzte Worte. Wenn man weiß, dass man sterben muss, was sagt man seinen Freunden, seiner Familie, die zurückbleiben? Was ist das Vermächtnis, was man weiter geben möchte. Was soll in Erinnerung bleiben? Woran soll man sich halten. Welche „Lebensweisheiten“ sollen denjenigen, die zurückbleiben, helfen, im Leben, das noch vor ihnen liegt, klar zu kommen? Was ist einem wichtig mitzuteilen, worauf es im Leben ankommt?

 

Auch Jesus hatte letzte Worte an seine Freunde und an seine Anhänger. Er sah voraus, dass er bald sterben würde und er wusste, dass diejenigen, die mit ihm umhergezogen waren, hohe Erwartungen an ihn hatten. Er war ihr Lehrer gewesen. Er hatte ihnen von Gottes Nähe und Gegenwart erzählt, von seinem Handeln in der Welt. Seine Anhänger sahen in Jesus selbst Gott handeln.

 

Nun galt es also, ihnen noch einmal mit aller Dringlichkeit zu sagen, worauf es ankommen würde, wenn er, Jesus, nicht mehr da sein würde. Ihnen eine Lebensanweisung zu geben für die Zeit danach, für die Zeit ohne Jesus.

„Bleibt mit mir verbunden!“ 

Das ist, was am Ende zählt: die Verbindung mit Jesus aufrecht zu erhalten. Die Welt, in der Jesus seine Freunde und Anhänger, seine Jüngerinnen und Jünger zurück lässt, sie wird auf sie schauen. Und die Welt wird Rückschlüsse daraus ziehen, wie die Jüngerinnen und Jünger auftreten, nämlich auf Gott. Zeichnen die Jüngerinnen und Jünger Jesu ein Bild von Gott, so wie es Jesus vorgelebt hat? Wenden sie sich den Menschen zu? Wird in ihnen etwas von der Gegenwart Gottes unter uns Menschen sichtbar, von seiner Zugewandtheit zu uns Menschen, von seinem Interesse an uns und daran, wie wir unser Leben im Miteinander gestalten?

Letzte Worte Jesu an seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Da bedarf es auch schon mal, sehr deutlich zu werden. Und das wird Jesus auch. Wer die Verbindung und Anbindung an ihn verliert, wird sein Leben verlieren. Der ist nutzlos. Dessen Leben verschrumpelt und vertrocknet. Da kann man keine Rückschlüsse mehr auf Gott ziehen.

Jesus möchte, dass seine Freunde und Anhänger das begreifen. Es hängt so viel davon ab. Vor allem für jeden und jede einzelne selbst.

Mit Jesus verbunden zu bleiben heißt leben. Sogar über den Tod von Jesus hinaus!

 

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben!“ Die letzten Worte Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger richten sich auch an uns. Wir sollen mit ihm verbunden bleiben. Die Welt soll über uns etwas von Gott erfahren. Und das wichtigste daran ist, dass wir an Jesus als den Auferstandenen glauben, als den, der den Tod überwunden hat. Jesus, das ist der, der immer noch da ist. Der dafür steht, dass der Tod das Leben nicht auslöschen kann.

 

In den Worten Jesu kann man zweierlei heraus hören – man kann finden, dass das ganz schön drastisch ist, was Jesus da sagt. Dass man ins Feuer geworfen wird, wenn man keine Frucht bringt. Aber  eine Frucht kann ja nicht selber entscheiden, ob sie viel Frucht bringt oder nicht, sondern das hängt doch auch von anderen Faktoren ab, auf die die Frucht keinen Einfluss hat: gibt es genug Regen und Sonne, ist es nicht zu trocken oder zu nass, gibt es einen Sturm, Kälteeinbruch, Würmer oder Fliegen, die einem zusetzen, Schädlinge aller Art, etc. pp. Das sind die Bedingungen, auf die man als Frucht keinen Einfluss hat. Jede und jeder, der einen Garten hat weiß, dass man vor allen dankbar dafür sein kann, wenn ein Baum viele Früchte trägt, weil es eben gute Vorraussetzungen dafür gab!

 

Man kann aber aus den Worten Jesu auch folgendes heraushören: wer mit mir verbunden bleibt, der hat eine Anbindung ans Leben, die allen Widrigkeiten trotzt. Der wird Frucht bringen, das wird man sehen können und das wird dann für sich sprechen!

 

Wie wichtig es ist, miteinander verbunden zu bleiben, können wir gerade erleben. Unsere sozialen Kontakte sind stark eingeschränkt, die Menschen, denen wir in echt begegnen und nicht nur per Telefon oder per Computer, sind stark eingegrenzt. Wir als Kirche haben jetzt seit Wochen keinen Gottesdienst mehr vor Ort gefeiert und wenn wir demnächst damit starten, wird er anders gefeiert als wir es gewohnt sind.

Aber zu wissen, ich bin trotz all den Kontaktbeschränkungen der letzten Wochen nicht abgeschnitten von einer Gemeinschaft, die mich hält und trägt, auch über diese Zeit hinweg, das macht Mut und gibt Hoffnung und ist wie eine Brandmauer gegen die Vereinzelung und Vereinsamung.

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben!“ Ja, ohne Jesus, den Auferstandenen, verödet unser Leben. Sind wir auf verlorenen Posten. Aber mit ihm pulsiert in uns das Leben, es durchströmt uns. Und es macht uns stark.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, Amen.

Amen





Lied: Herr, wir bitten, komm und segne uns Gesangbuch 590

Refrain: Herr, wir bitten, komm und segne uns, lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns, rühr uns an mit deiner Kraft.

 

1. In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, 

deine Freude auszubreiten.

In der Traurigkeit, Mitten in dem Leid, l

ass uns deine Boten sein.

 

2. In den Streit der Welt hast du uns gestellt, 

deinen Frieden zu verkünden,

der nur dort beginnt, wo man wie ein Kind, 

deinem Wort Vertrauen schenkt.

 

3. In das Leid der Welt hast du uns gestellt, 

deine Liebe zu bezeugen.

Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn, 

bis wir dich im Lichte sehn.





Fürbittengebet

Treuer Gott, wir vertrauen dir unsere Ängste und Bitten an:

 

Du bist ein Gott des Lebens, Anfang und Ende hältst du in deinen Händen. Wir bitten dich für deine Schöpfung. Bleibe bei uns und halte uns die Zukunft offen. Lass niemanden alleine und lass uns miteinander und mit dir verbunden bleiben.

Herr, bleibe bei uns mit deinem Licht, das das Dunkel der Welt durchdringt. Gib uns Augen, dein Licht zu sehen, gib uns Herzen, dein Licht aufzunehmen, gib uns Kräfte, dein Licht weiterzugeben, dass viele Menschen von ihm erfüllt werden.

 

Herr, bleibe bei uns mit deinem Wort, das das Schweigen des Todes zerbricht. Gib uns Ohren, dein Wort zu hören. Gib uns Herzen, dein Wort zu empfangen. Zeige uns Wege, dein Wort weiterzugeben.

 

Bleibe bei uns mit deiner Gegenwart.

Gib uns Hände, zu begreifen, gib uns Herzen, dich zu erfahren, gib uns Liebe die wir austeilen können.

 

Amen